Geschichte & Werte

Unsere Identität wurzelt in einer jahrhundertealten Geschichte und starken Werten. Das arabische Alevitentum ist nicht nur ein Glaubenssystem, sondern eine Lebensweise, die sich auf Erinnerung, Natur, Gerechtigkeit und Solidarität stützt.

Die Geschichte der arabischen Aleviten

Arabische Aleviten sind eine Gemeinschaft mit historischen Wurzeln in der östlichen Mittelmeerregion – insbesondere an der syrischen Küste, in Antakya/Hatay und Umgebung. Diese Region war über Jahrhunderte hinweg ein Treffpunkt verschiedener Kulturen, Sprachen und Glaubensrichtungen; das arabische Alevitentum hat sich innerhalb dieser Vielfalt entwickelt.

Über Jahrhunderte hinweg haben arabische Aleviten trotz politischer Unterdrückung, Kriegen und Diskriminierung ihren Glauben, ihre mündlichen Überlieferungen, Rituale und Erinnerungskultur bewahrt. Die Erinnerung lebendig zu halten, der Opfer zu gedenken und Gerechtigkeit angesichts von Unrecht einzufordern, stehen im Zentrum dieser historischen Erfahrung.

Seit dem 20. Jahrhundert haben insbesondere die Veränderungen des Status von Antakya/Hatay, der politische Druck in der Region und wirtschaftliche Gründe viele arabisch-alevitische Familien zur Migration veranlasst. Die Auswanderung nach Europa, vor allem nach Deutschland, hat ein neues Kapitel unserer Geschichte eröffnet:

Einerseits werden kulturelle Wurzeln und Erinnerung weiterhin bewahrt,

andererseits wachsen neue Generationen in Städten wie Berlin als Teil einer demokratischen und pluralistischen Gesellschaft auf.

Heute legen arabische Aleviten in der Diaspora Wert darauf, sowohl mit ihren Wurzeln verbunden zu bleiben als auch aktiv am gesellschaftlichen Leben ihrer neuen Heimatländer teilzunehmen. Die Vergangenheit nicht zu vergessen und für eine gerechtere Zukunft zu kämpfen, bleiben zentrale Anliegen unserer Gemeinschaft.

Tradition, Lebensweise und Verbindung zur Natur

Der arabisch-alevitische Glaube wird von außen oft versucht, nur über „Rituale" zu beschreiben, doch für uns ist der Glaube vor allem im Leben selbst verwurzelt:

In familiären Beziehungen,

In Nachbarschaft und Solidarität,

Bei Zusammenkünften am Tisch,

Bei Festen, Trauerveranstaltungen und Gedenkfeiern,

In unserer Sicht auf Erde, Wasser, Berge und Himmel.

In vielen arabisch-alevitischen Familien wird der Glaube durch häusliche Zusammenkünfte, Gesprächskreise, gemeinsame Mahlzeiten und Gebets-/Gedenktreffen gelebt. Bei diesen Zusammenkünften werden heilige Texte, Gebete, Nefes (spirituelle Gedichte) oder traditionelle Worte geteilt; die Älteren geben sowohl historisches Gedächtnis als auch ethische Werte an die Jüngeren weiter. Einige Wissensbestände und Praktiken wurden historisch mit Vertraulichkeit geschützt, weshalb jede Familie und jede Region diesen Glauben auf ihre eigene Weise lebt.

Deshalb ist es oft unzureichend und irreführend, unseren Glauben über eine einzige „zentrale Zeremonie" oder „einheitliche Rituale" zu definieren. Für uns gilt:

Die Natur ist ein Spiegel der Schöpfung.

Der Zyklus der Jahreszeiten, die Bewegung von Mond und Sonne, die Fruchtbarkeit von Wasser und Erde sind Zeichen, die uns an Gottes Gegenwart und Macht erinnern.

Wir versuchen, unseren Glauben durch Respekt vor der Natur, Achtung der Menschenwürde, Suche nach Wahrheit und Widerstand gegen Ungerechtigkeit zu leben.

Reyhan, Bahhur und Symbole

Im Gedächtnis unserer Gemeinschaft haben Pflanzen und Düfte einen besonderen Platz. Auch wenn die Praktiken in verschiedenen Regionen und Familien variieren, tragen einige Symbole für viele arabische Aleviten gemeinsame Assoziationen:

Reyhan (Basilikum)

Das Reyhan wird aufgrund koranischer Verweise und lokaler Traditionen mit Reinheit, Leben, Fülle und Barmherzigkeit assoziiert. In vielen Haushalten wird Reyhan:

  • Vor Fenstern, in Höfen oder auf Feldern angepflanzt,
  • Sein Duft wird als reinigend für Haus und Herz betrachtet,
  • Bei einigen Gedenk- und Gebetstreffen wird es auf den Tisch oder neben Fotos gestellt; so wird es zum Symbol liebevoller und respektvoller Erinnerung an unsere Verstorbenen.
Bahhur (Räucherwerk)

Bahhur, das Räucherwerk, wird in vielen arabisch-alevitischen Familien:

  • Besonders bei Gedenk-, Gebets- oder besonderen Anlässen verbrannt,
  • Es „verändert" Raum und Zeit,
  • Es aktiviert über den Duft Erinnerung und Gefühl.

Der aufsteigende Rauch symbolisiert sowohl das nach oben steigende Gebet als auch die Verbindung mit der Vergangenheit. Bahhur zu verbrennen ist nicht nur eine Tradition, sondern auch ein Weg des Erinnerns, des Dankens und der Erneuerung unserer Absichten für die Zukunft.

Diese Symbole sind keine dogmatischen Verpflichtungen; sie sind Brücken, die kulturelles Gedächtnis und gemeinsame Gefühle tragen. Jede Familie kann Reyhan, Bahhur, Wasser, Brot, den Tisch und Gastfreundschaft je nach eigener Erfahrung mit unterschiedlichen Bedeutungen füllen.

Unsere Werte

Die arabisch-alevitische Identität verstehen wir nicht nur durch ihre Geschichte oder Rituale, sondern durch ihre Werte. Die grundlegenden Werte, die BAAB vertritt, sind zusammengefasst:

Solidarität und Gemeinschaft

Dem Einsamen zur Seite stehen, dem Bedürftigen die Hand reichen.

Menschenwürde und Gerechtigkeit

Die Würde jedes Menschen schützen, gegen Ungerechtigkeit und Diskriminierung Stellung beziehen.

Erinnerung und Aufarbeitung

Vergangenes Leid nicht vergessen, der Opfer gedenken und für eine gerechtere Zukunft die Stimme erheben.

Harmonie mit der Natur

Die Natur nicht als zu konsumierendes Objekt, sondern als heilig anvertrautes Gut betrachten.

Pluralismus und Dialog

Eine Kultur des Zusammenlebens mit unterschiedlichen Glaubensrichtungen und Identitäten verteidigen.

Diese Seite soll die reiche Geschichte und vielschichtige Glaubenswelt der arabischen Aleviten kurz und respektvoll zusammenfassen. Die Details können von Region zu Region, von Familie zu Familie variieren; aber die zentrale Achse, die uns vereint, ist es, unser Gedächtnis, unsere Werte und unsere Verbindung zur Natur an kommende Generationen weiterzugeben.